Wahrscheinlich kennt jeder Deutsche das „Sandmännchen“, jenes kleine
Puppenmännchen, das seit Jahrzehnten einen Abendgruß über der
Fernsehbildschirme in die Wohnzimmer schickt und für Millionen von Kindern
das Zeichen zum Ins-Bett-Gehen war und ist. Bereits seit 1959 entstehen
die kurzen Episoden mit der Trickfilm-Puppe des Sandmännchens, das in
jeder Folge mit einem anderen Transportmittel bei Kindern rund um den
Globus ankommt, ihnen eine kleine Geschichte erzählt und sie anschließend
mit seinem Schlafsand ins Reich der Träume schickt. Dabei gab es zwischen
1959 und 1990 bedingt durch die Teilung Deutschlands zwei Versionen, das
Ost-Sandmännchen und das West-Sandmännchen. Nach der Wiedervereinigung
wurde die Produktion des Ost-Sandmännchens kurze Zeit eingestellt, nach
Protesten der Zuschauer gibt es seit 1991 aber nur noch das
Ost-Sandmännchen, dass in den Folgenden Jahren zu einer wichtigen
Kinderfigur für Gesamtdeutschland wurde.
Die Geschichten, die das kleine Sandmännchen mit der charakteristischen
Mütze und dem weißen Bart den Kindern, die es am jeweiligen Abend besucht,
mitbringt, ist jedesmal ein anderer kleiner Einspielfilm, der entsprechend
auch den Kindern vor den Fernsehapparaten gezeigt wird. Dabei treten
verschiedene Figuren wiederholt in den Geschichten auf, so zum Beispiel
der Kobold Pittiplatsch und die Ente Schnatterninchen, Herr Fuchs und Frau
Elster, der Igel Borstel und seit Neuerem auch der Wasserkobold Plumps und
das Küken.
Eine traurige Episode rund um das Sandmännchen ist der Umstand, dass es
in der DDR zum Teil dazu benutzt wurde, um auszukundschaften, ob Familien
das verpönte Westfernsehen empfingen. So wurde in Kindergärten häufig das
Sandmännchen gemalt, woraufhin leicht festzustellen war, ob das Kind das
Ost- oder das Westsandmännchen kannte. Den Eltern drohten im Fall, dass
sie Westfernsehen sahen, unangenehme Repressalien für ihren späteren
Lebensweg.