Eigentlich kennt
jeder Sherlock Holmes, den berühmtesten Detektiv aller Zeiten, für den
kein Fall zu verzwickt, kein Verbrecher zu gewieft und kein Schurke zu
gefährlich war. Doch auch wenn Holmes und seine analytischen Methoden
heute zum kriminalistischen Standard gehören, ist der stilvolle britische
Gentleman lediglich das Produkt der Phantasie der genialen britischen
Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle. Dieser erdachte den besten
Detektiv der Geschichte, der zur Zeit des späten 19. und Anfang des 20.
Jahrhunderts lebte und völlige neuartige Ermittlungsmethoden anwandte, um
verschiedenste Verbrecher zu überführen. Gemeinsam mit seinem treuen
Freund und Helfer Dr. Watson bedient er sich stets der nüchternen Logik
und der Macht konsequenter Schlussfolgerungen, um sich nicht von
subjektiven Erwägungen verwirren zu lassen, sondern alle Zusammenhänge
genau so zu sehen, wie sie sind. Seinen intellektuellen Fähigkeiten steht
aber auch eine sehr gefühlvolle Seite gegenüber, die ein interessantes
Spannungsfeld erzeugt und die Geschichten erstaunlich lebendig werden
lässt. Doyle bedient sich außerdem des Tricks, dass die meisten
Geschichten aus der Sicht von Watson in dessen Erinnerung geschildert
werden, wodurch viele Details eine menschliche und ebenfalls sehr
lebendige Färbung erhalten. Interessant an Holmes Charakter ist auch seine
„dunkle Seite“, namentlich der Drogenkonsum des Detektivs aus der
legendären Bakerstreet 221b in London, der von Watson als sein einziges
Laster beschrieben wird. Dabei ist Holmes kein abgehalfterter Junkie,
sondern konsumiert das damals noch nicht verbotene Kokain vor allem, um
sich in verzwickten Situationen inspirieren zu lassen. Doyle schilderte
den Drogenkonsum aber bewusst nicht in verherrlichender Weise, um auf die
große Problematik hinzuweisen, die er bei Betäubungsmitteln aller Art sah.
Als dann nach den
vielen Romanveröffentlichungen Doyles die Filmtechnik erfunden wurde,
dauerte es entsprechend nicht lange, bis es die ersten filmischen
Umsetzungen der Holmes-Thematik gab. Und so entstanden bis heute fast 180
Filme, in denen Holmes auftritt – beinahe jeder Roman ist bereits
umgesetzt worden. Erwähnenswert sind hier vor allem ein Kino-Serial aus
den 1920er Jahren, das sich auf 56 Teile erstreckt und in dem Eille
Norwood der großen Detektiv verkörpert. Außerdem wichtig und vielleicht am
populärsten sind aber die Filme aus den 1940ern, in denen Basil Rathbone
Homes spielt und Dr. Watson von Nigel Bruce dargestellt wird. Insgesamt
entstanden bis 1946 13 Filme mit den beiden, wobei der berühmte Thriller
„Der Hund von Baskerville“ die Eröffnung bildet. Desweiteren gab es eine
russische Fernsehproduktion mit Wassili Liwanow und einer britische
Fernsehserie mit Jeremy Brett aus den 1980er und 1990er Jahren, die
begeisterte Kritik erntete.