Zu den anspruchsvollsten und philosophischsten Animes gehört „The Vision
of Ecaflowne“, das 1996 nach einer Idee von Shoji Kawamori in Japan
produziert wurde und 2002 auch in Deutschland im Vorabendprogramm von MTV
zu sehen war. Angelegt als mystisch-romantisches Mecha-Actionmärchen
verbindet die 26-teilige Serie Elemente des klassischen Fantasy-Genres wie
Drachen, Ritter und Prinzessinnen mit gewaltigen mechanischen
Kampfrobotern, den „Guymelefs“, und setzt sich so von anderen
Fantasy-Animes ab.
Die Handlung dreht sich um die 15-jährige Hitomi Kanzaki, die während
eines 100-Meter-Laufs das Bewusstsein verliert und Visionen von mächtigen
Kampfmaschinen in einer feudalen, fremden Welt erlebt. Ihr Traum wird
Realität und es gelangen der Krieger Prinz Van von Farnelia und ein
Erddrachen durch einen Lichtkegel in Hitomis Welt. Auf dem Weg zurück wird
auch Hitomi mitgerissen und landet in der mystischen Welt Gaia, wo der
Prinz und der Drachen zuhause sind. Dort beginnt eine vielschichtige
Handlung, in der Hitomi wiederholt zwischen die Fronten gerät und
verschiedenen Auseinandersetzungen zwischen konkurrierenden Parteien
überstehen muss.
Im Gegensatz zu vielen anderen Animes zeichnet Escaflowne die Grenze
zwischen Gut und Böse weniger deutlich und reflektiert die
Charaktereigenschaften der Hauptpersonen, die oft hin- und hergerissen
zwischen verschiedenen Handlungsalternativen sind und nicht immer nur
positiv zu bewertende Entscheidungen treffen. Am Ende erkennt der
Zuschauer, dass sowohl das Gute auch negative, als auch das Böse durchaus
positive Eigenschaften hat und die Personen zurecht oft nicht genau
wissen, auf welcher Seite sie stehen.