Wie fühlt es sich an, vor gut 100 Jahren
zu leben, als Großbürger, Bediensteter oder Gesindel? Dies konnten 20
Teilnehmer und über 3 Millionen Zuschauer 2004 in der Serie Abenteuer 1900
erfahren.
Die Doku-Serie wurde im Frühjahr 2004 in
Mecklenburg-Vorpommern gedreht und im Herbst im Vorabendprogramm der ARD
ausgestrahlt. Dafür mussten über 400 Stunden Material von Regisseur Volker
Heise und seinem Team auf 16 Folgen mit je 25 Minuten Länge
zusammengeschnitten werden.
Die Darsteller sind ausdrücklich keine
Schauspieler, sondern Menschen, die Lust hatten, sich auf eine einmalige
Zeitreise zu begeben. Sie lebten zwei Monate lang als Vertreter
unterschiedlicher sozialer Schichten im Gutshaus Belitz. Der Drehort wurde
historisch getreu renoviert und teilweise sogar mit Requisiten aus Museen
ausgestattet. Das Konzept der „Living history“, wie Produzent Thomas Kufus
das Genre nennt, wurde bereits mit der Serie „Schwarzwaldhaus“ erprobt und
für Abenteuer 1900 weiterentwickelt. Dabei sollten die Protagonisten nicht
rund um die Uhr überwacht werden. Die zwei Kamerateams waren nur tagsüber
anwesend. Es wurde aber von ihnen erwartet, dass sie sich durchgehend an
die Regeln von 1900 halten.
20 Menschen unserer Zeit mussten also
für zwei Monate ohne heutzutage selbstverständliche Luxusgüter wie
Schokolade oder Make-up und auch ohne die modernen Medien auskommen. Die
größte Herausforderung war aber wohl der Umgang mit dem
Klassenunterschied, durch den das Leben der Teilnehmer, gleichwohl es
unter einem Dach stattfand, sehr ungleich aussah: Die Familie des
Gutsherrn, im „heutigen Leben“ ein Ärzte-Ehepaar mit sechs Kindern, konnte
den für 1900 üblichen Vergnügungen der Großbürger nachgehen, während die
Bediensteten 14 Stunden am Tag, zumeist im Keller, schufteten. Ohne die
Dienstboten könnten die Herrschaften niemals Gastgeber strahlender
Gesellschaften sein, doch auch für sie war es nicht immer ein
Zuckerschlecken, mussten doch strenge Regeln der Etikette beachtet werden,
um sich auf dem gesellschaftlichen Parkett zu behaupten. Auch das Personal
will verwaltet sein, so gönnen Ulrike, Svenja und Co sich lieber ein
bisschen Freizeit, während die Herrschaften ihren Urlaub an der Ostsee
verbringen, anstatt den eigentlich aufgetragenen Hausputz ordentlich zu
verrichten. Selbst die sonst so strenge Mamsell Sarah Wiener lässt sich
zum Müßiggang hinreißen, doch die Standpauke der gnädigen Frau folgt auf
dem Fuße.
Die Darstellung des Alltagslebens dieser
Menschen auf Gut Belitz fasziniert den heutigen Zuschauer nicht nur, da
ihm eine völlig andere Welt eröffnet wird, sondern auch wegen der
sympathischen und liebenswerten Charaktere, die diese Zeitreise wagten.